Speicher 6

Der Speichermarkt

In diesem Abschnitt der Tips & Tricks befassen wir uns in erster Linie mit der Funktionsweise des Speichers. Thema des folgenden Teils ist jedoch der Handel mit Speicherprodukten.

DRAM-Hersteller

Die wichtigsten Komponenten des Speichermoduls sind - wie schon erwähnt - seine Speicherchips. Von der Qualität der verwendeten DRAM-Chips hängt die Zuverlässigkeit des Moduls ab.

Die umfangreichen Fertigungsanlagen für die Herstellung von DRAM-Chips sind extrem teuer (über 1.5 Milliarden Dollar für eine typische Anlage für 16-MBit-DRAM-Chips). Außerdem kann die Bauzeit bis zu zwei Jahren betragen. Der Entscheidung für den Bau einer DRAM-Fertigungsanlage müssen sorgfältige Überlegungen vorausgehen. Um eine derartige Entscheidung rechtfertigen zu können, muß ein Unternehmen nicht nur in der Lage sein, den Bedarf an dem Produkt für zwei Jahre vorhersagen zu können, sondern es muß das Produkt auch so lange und zu einem so hohen Preis verkaufen, daß sich die Investition lohnt und zudem Profit erfzielt wird.

Eine entscheidende Rolle spielen dabei auch die sich ständig weiterentwickelnden Technologien. Die Computertechnologie macht so rasante Fortschritte, daß bereits bei Fertigstellung einer Anlage zur Produktion eines bestimmten DRAM-Chips die Technologie und der Chip veraltet sein können. Wenn auf dem Markt zusätzlich ein Überangebot an diesem Chip besteht und die Preise sinken, ist das Unternehmen unter Umständen nicht mehr in der Lage, die Kosten des Anlagenbaus zu decken oder gar Gewinne zu erzielen.

Aufgrund der hohen Investitionen und des Risikos, das mit der Produktion von DRAM-Chips verbunden ist, sind DRAM-Hersteller zumeist große, namenhafte Unternehmen. Viele dieser Unternehmen werden staatlich subventioniert oder gehen Partnerschaften mit anderen großen Unternehmen ein (z.B. Hitachi, Micron, Samsung, Intel, usw.), um das erforderliche Kapital aufzubringen.

Wie werden Speicherprodukte verkauft?

Sobald die Fertigungsanlagen stehen, müssen die DRAM-Hersteller Chips in großer Menge produzieren und verkaufen, damit sich die Investition auszahlt. Die DRAM-Produktion wird zu 80% an Firmen verkauft, die auf der Grundlage langfristiger Verträge Mengen von 5.000 bis 120.000 Einheiten beziehen. Die Vertragsdauer kann von 3 Monaten bis zu einem Jahr reichen, und innnerhalb dieser Zeit sind Kaufmenge und Kaufpreis garantiert. Dieses System schützt die Chip-Hersteller vor Fluktuationen auf dem DRAM-Markt und sichert stabile Profite. Die DRAM-Hersteller tendieren dazu, ihre DRAM-Verkäufe auf Vertragsbasis nur mit namenhaften Unternehmen abzuwickeln, mit denen sie langfristige Geschäftsbeziehungen pflegen. Die verbleibenden 20% ihrer Chips, für die es keine Verträge gibt, verkaufen die Unternehmen auf dem Vertriebsweg an kleinere Firmen. Auch dies geschieht zum Schutz der DRAM-Hersteller vor Preisfluktuationen und zur Profitsicherung.

Das Maklergeschäft

Häufig verfügt ein Unternehmen, das Speicherchips auf Vertragsbasis kauft, über mehr Chips, als es eigentlich braucht. In diesem Fall verkauft es seinen Überschuß an spezielle Makler, die Speicherchips auf ähnliche Weise kaufen und verkaufen wie Börsenmakler Aktien kaufen und verkaufen. In der Regel haben diese Makler ihre Vertriebskanäle in zahlreichen Ländern, kaufen beim preisgünstigsten Anbieter und verkaufen an den Käufer, der den höchsten Preis zahlt. Da der Markt mit Speicherprodukten täglichen Fluktuationen unterworfen ist, gehen die Speicherkomponenten unter Umständen durch viele Hände, ehe sie in einem Computer installiert werden.

Der graue Markt

Der graue Markt ist dem Börsenmarkt sehr ähnlich, und oftmals werden die Begriffe verwechselt. Der Hauptunterschied besteht darin, daß ein Verkäufer auf dem grauen Markt vom Hersteller nicht zum Verkauf autorisiert wurde. Wenn Sie beispielsweise Speicherkomponenten von Kingston bei einem Verkäufer erwerben, den Kingston nicht zum Verkauf berechtigt hat, kaufen Sie auf dem grauen Markt. Sie können in diesem Fall davon ausgehen, daß die Speicherkomponente seit ihrem Verkauf durch ein autorisiertes Mitglied des Vetriebskanals mindestens einmal den Besitzer gewechselt hat.

Was steigert den Speicherbedarf?

Wie Sie sehen können, gilt das Prinzip von Angebot und Nachfrage auch auf dem Markt mit Speicherkomponenten. Folgende Faktoren steigern die Nachfrage:

bullet Die Entwicklung neuer Softwareanwendungen im Hochleistungsbereich
bullet Höhere Speicheranforderungen durch Produkte wie Videospiele, Mobiltelefone und Handys
bullet Größeres Leistungsspektrum der Softwarepakete im Film-, Multimedia- und Videokonferenzbereich
bullet Steigende Verkaufszahlen für PCs und deren Standardspeicherkonfigurationen:
bullet 1994 stieg der PC-Verkauf in den USA um 21% auf 18.2 Millionen Systeme; Prognosen für 1995 sagen den Verkauf von 21 Millionen Systemen voraus.
bullet Eine Standardkonfiguration verfügte früher über einen Speicher von 1 bis 4 MB; heute haben die meisten Systeme standardmäßig 8 MB und müssen für neue Anwendungen auf 16 MB aufgerüstet werden.
bullet Umstellung auf Microsoft® Windows® 95 und NT
bullet Laut Studien zum Zeitpunkt seiner Produktfreigabe benötigt Windows 95 einen Speicher von mindestens 16 MB, um die Funktionalität des Systemes voll nutzen zu können.
bullet Microsoft schätzt, daß 60% aller neuen Systeme mit installiertem Windows 95 ausgeliefert werden.
bullet Die Umstellung anderer Betriebssysteme auf Windows 95 wird voraussichtlich 6 bis 9 Monate nach der Ankündigung des Produktes erfolgen.

Die Entwickler von Softwareanwendungen und Betriebssystemen werden - wie bereits erwähnt - den zunehmenden Speicherbedarf weiter vorantreiben. Letztendlich werden die Entwickler selbst von den Anforderungen und Erwartungen des Marktes angetrieben. Da sich die Technologien in der Computerbranche in rasantem Tempo weiterentwickeln, werden immer höhere Erwartungen in die Leistungsfähigkeit der Computer gesetzt. Infolgedessen müssen die Entwickler die Softwareanwendungen und Betriebssysteme durch zusätzliche Einrichtungen und erweiterte Funktionalität optimieren. Bisher haben neue Einrichtungen und eine verbesserte Funktionalität den Speicherbedarf stets gesteigert, und alle Anzeichen sprechen dafür, daß dieser Trend anhält.

Qualitätsbewußte Speicherauswahl

Wenn die DRAM-Nachfrage höher als das Angebot ist (wie es oftmals schon der Fall war), sind einige Unternehmen nicht mehr in der Lage, ihren Speicherbedarf zu decken und wenden sich daher dem grauen Markt oder Maklergeschäft zu. Da nicht nachvollziehbar ist, wie häufig auf diese Weise erworbene Speicherprodukte den Besitzer gewechselt haben, läßt sich die Qualität und Zuverlässigkeit dieser Produkte nur schwer bestimmen.

Hier zwei Vorschläge zur Bewertung der Speicherqualität beim Kauf:

  1. Überprüfen Sie zuerst, ob die Chips auf dem Modul von einem der namenhaften Hersteller stammen. In der folgenden Tabelle finden Sie einige der wichtigsten DRAM-Hersteller sowie Beispiele für Teilenummern und Angaben, die die Hersteller derzeit auf ihren Speicherkomponenten verwenden.
  2. Ermitteln Sie anschließend den Datumscode, der auf den DRAM-Chips der Speichermodule antgegeben ist. Die meisten Hersteller geben auf ihren Chips das Herstellungsdatum an. Beispielsweise trägt ein Toshiba DRAM-Chip, der 1994 in der 9. Woche hergestellt wurde, den Datumscode 9426. Chips, die älter als zwei Jahre sind, haben vermutlich mehrmals den Besitzer gewechselt, bevor sie in Ihre Hände gelangen.

Hier einige Beispiele:

DRAM-Hersteller und DRAM-Teilenummern

Hersteller Beispiele für DRAM-Teilenummern
Fujitsu Fujitsu-Code
Hitachi Hitachi-Code
Micron Micron-Code
Mitsubishi Mitsubishi-Code
Motorola Motorola-Code
NEC NEC-Code
Samsung Samsung-Code
Toshiba Toshiba-Code

 

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