Speicher 1

Einführung

Ganz gleich, über wieviel Speicher ein Computer heute verfügt - es scheint nie genug zu sein. Vor noch nicht allzu langer Zeit war es unvorstellbar, einen Personal Computer oder PC mit einer Speicherkapazität von 1 oder 2 Megabyte auszurüsten. Mittlerweile benötigen Sie eine Speicherkapazität von mindestens 4 Megabyte, um ein System überhaupt starten zu können. Und wenn Sie mit mehreren Anwendungen gleichzeitig arbeiten möchten, sind 8 Megabyte die Mindestvoraussetzung. Eine optimale Leistung erfordert heutzutage sogar 16 Megabyte und mehr.

Damit Sie eine Vorstellung über die rasante Entwicklung innerhalb der letzten zehn Jahre erhalten, folgt nun ein Auszug aus dem Buch Inside the IBM PC von Peter Norton aus dem Jahr 1983. Er beschreibt darin die Vorzüge des neuen XT-Computers von IBM folgendermaßen:

"IBM hat also alle XTs mit dem ausgerüstet, was sie als Minimum für einen ernstzunehmenden PC ansehen. Eine 10-MB-Festplatte und 128 kB (ein Achtel eines MB) Arbeitsspeicher gehören für einen professionellen Rechner jetzt zur Standardausrüstung."

Für manche Computerbenutzer gilt hinsichtlich des Speicherbedarfs folgender Grundsatz: "Je mehr Speicherplatz, desto besser; je weniger, desto schlechter." Wenn Sie mehr über den Speicher des Computers erfahren möchten, gibt Ihnen der vorliegende Text einen allgemeinen Überblick darüber, was Speicher eigentlich ist und wie er arbeitet.

Was ist eigentlich Speicher?

In der Computerindustrie wird der Begriff "Speicher" oftmals für den RAM-Speicher (Random Access Memory = Direktzugriffsspeicher oder Arbeitsspeicher) verwendet. Der Computer legt im RAM-Speicher temporäre Anweisungen und Daten ab, die er zurAusführung seiner Aufgaben benötigt. Dadurch kann die CPU (Central Processing Unit = Zentraleinheit) des Computers sehr schnell auf die Anweisungen und Daten im Speicher zugreifen.

Hierzu ein Beispiel: Die CPU lädt eine Anwendung - ein Textverarbeitungs- oder Layoutprogramm - in den Speicher, wodurch die Anwendung schnellstmöglich ausgeführt werden kann. Folglich können Sie mehr Arbeiten erledigen und benötigen weniger Zeit dafür, die Verarbeitungsschritte des Computers abzuwarten.


Speicherwege

Wenn Sie über die Tastatur einen Befehl eingeben, werden Daten von einem Speichermedium (z.B. einem Festplatten- oder CD-ROM-Laufwerk) in den RAM-Speicher kopiert. Dieser Speicher kann der CPU die Daten viel schneller zur Verfügung stellen als die Speichermedien.



 

Der Vorgang des "Bereitstellens von Daten für die CPU an einer Stelle, an der sie schneller darauf zugreifen kann" ähnelt dem Ablegen von elektronischen Dateien und Dokumenten, die Sie auf Ihrem Computer verwenden, innerhalb eines Ordners bzw. Verzeichnisses. Auf diese Weise finden Sie jetzt rasch wieder und müssen nicht an verschiedenen Stellen danach suchen.

Unterschied zwischen Speicher und Speichermedien

Die beiden Begriffe Speicher (Memory) und Speichermedien (Storage) werden oftmals verwechselt, insbesondere, wenn es um die verfügbare Speichermenge geht. Der Begriff "Speicher" (Kurzform für "Arbeitsspeicher" oder "Hauptspeicher") bezieht sich auf die Größe des RAM-Speichers, der auf dem Computer installiert ist. Der Begriff "Speichermedien" bezeichnet dagegen Datenträger (wie z.B. die Festplatte). Dennoch wird der Begriff "Speicher" manchmal benutzt, wenn die Kapazität der Festplatte gemeint ist.

Zum besseren Verständnis können Sie Ihren Computer mit einem Büro vergleichen, in dem sich ein Schreibtisch und eine Reihe von Aktenschränken befinden.

Bürotisch und -schrank

Der Aktenschrank repräsentiert die Festplatte Ihres Computers, ein Speichermedium mit hoher Kapazität. Der Schreibtisch entspricht dem Arbeitsspeicher, der Ihnen problemlos und schnell Zugriff auf Dateien bietet, mit denen Sie momentan arbeiten.



 

Ein weiterer entscheidender Unterschied zwischen Arbeitsspeicher und Festplattenspeicher besteht darin, daß die auf einer Festplatte gespeicherten Informationen erhalten bleiben, wenn Sie den Computer ausschalten. Im Gegensatz dazu werden alle Daten gelöscht, die sich beim Ausschalten des Computers im Arbeitsspeicher befinden. (Dies ist in etwa so, als gelte folgende Regel: Akten, die nach Dienstschluß auf dem Schreibtisch herumliegen, werden weggeworfen.)

Wieviel Speicher ist genug?

Ausschlaggebend für die richtige Speichermenge ist die Art der Arbeiten, die Sie ausführen, sowie die Art der Softwareanwendungen, mit denen Sie arbeiten. Für die heutige Textverarbeitung und Tabellenkalkulation reicht ein Speicher von 4 Megabyte aus. Software- und Betriebssystementwickler setzen jedoch einen Speicher von 8 Megabyte für Systeme im unteren Leistungsbereich voraus. Systeme, die für Grafikbearbeitung, DTP und Multimedia eingesetzt werden, erfordern Speicher von mindestens 16 Megabyte, oftmals sind Systeme dieser Art mit 32 Megabyte und mehr ausgestattet.

Vielleicht haben Sie selbst schon Erfahrungen beim Arbeiten mit Systemen gesammelt, auf denen Speicherknappheit herrscht. Die Verarbeitung dauert etwas länger, es kommt häufiger zu Speicherfehlern, und manchmal muß erst eine Anwendung geschlossen werden, bevor sich eine andere Anwendung oder Datei öffnen läßt. Auf Systemen mit genügend Speicher sind dagegen mehrere Funktionen gleichzeitig ausführbar, z.B. Drucken eines Dokumentes und gleichzeitiges Bearbeiten eines anderen. Außerdem können mehrere Anwendungen gleichzeitig geöffnet sein.

Empfohlener Speicher

ART DES
BENUTZERS
TYPISCHE VERWENDUNG
EMPFOHLENER
RAM-SPEICHER
Einfache
Verwaltung
bulleteinfache Textverarbeitung
bulleteinfache elektronische Post (e-mail)
8 MB - 12 MB
Mittlere
Verwaltung
bulletTextverarbeitung, elektronische Post, FAX- und DFV-Software, Datenbank
bullet1 bis 2 gleichzeitig geöffnete Anwendungen
12 MB - 16 MB
Intensive
Verwaltung
bulletTextverarbeitung, elektronische Post, Fax- und DFV-Software, Tabellenkalkulation, Geschäftsgrafiken
bullet>3 gleichzeitig geöffnete Anwendungen
16 MB - 24 MB
Einfacher
Kundendienst
bulletelektronische Post, Datenbank
bullet1 bis 2 gleichzeitig geöffnete Anwendungen
8 MB - 12 MB
Intensiver
Kundendienst
bulletelektronische Post, Datenbank, FAX- und DFV-Software, Textverarbeitung
bullet>3 gleichzeitig geöffnete Anwendungen
12 MB - 20 MB
Einfacher Umgang
mit Zahlen
bulletTabellenkalkulation, elektronische Post, Buchhaltungssoftware
bullet1 bis 2 gleichzeitig geöffnete Anwendungen
16 MB - 24 MB
Intensiver Umgang
mit Zahlen
bulletTabellenkalkulation, Statistikanwendungen, Entwicklung, umfangreiche Datenbanken
bullet>3 gleichzeitig geöffnete Anwendungen
24 MB - 32 MB
Einfache
Grafikbearbeitung
bulletTextverarbeitung, DTP-Software, Illustrations- / Grafiksoftware
bullet1 bis 2 gleichzeitig geöffnete Anwendungen
32 MB - 64 MB
Komplexe
Grafikbearbeitung
bulletTextverarbeitung, DTP-, Illustrations- / Grafiksoftware, Fotobearbeitung, Präsentationssoftware, Schriftartpakete, Multimedia
bullet>3 gleichzeitig geöffnete Anwendungen
64 MB - 128 MB
Verwaltung
bulletTextverarbeitung, elektronische Post, FAX- und DFV-Software, Tabellenkalkulation, Geschäftsgrafiken, Datenbank, Präsentationssoftware
bullet>3 gleichzeitig geöffnete Anwendungen
16 MB - 32 MB
Einfaches/mittleres
Design
bulletCAD-Software, CAM-Software
32 MB - 128 MB
Komplexes
Design
bullet3D-CAD-Software, CAM-Software, Modellieren im Solidbereich
256 MB - 2 GB


 

Hinweis: Natürlich sind analog zu wachsenden Anforderungen an die Speicherkapazität und zu Trendänderungen auch Änderungen an dieser Übersicht erforderlich.

Über die "richtige" Speichermenge für Systeme und Funktionen lassen sich Spekulationen anstellen. Folgendes scheint jedoch gewiß: im Laufe der Zeit werden Software- und Betriebssystementwickler die Möglichkeiten sowie die Funktionalität ihrer Produkte stetig erweitern. Somit wird auch der Bedarf für mehr Speicherkapazität immer mehr steigen.

Wie sieht der Speicher aus?

Die ICs (Integrated Circuits = integrierte Schaltkreise), die die Speicherkonfiguration Ihres Computers ausmachen, bezeichnet man auch als DRAM (Dynamic Random Access Memory = dynamischer Dirketzugriffsspeicher) oder dynamischen RAM. Der DRAM-Chip ist der am häufigsten verwendete Speicherchip. Qualität und Zuverlässigkeit eines Speichermodules hängen in erster Linie von der Qualität der DRAM-Chips ab, die in diesem Modul verwendet werden.

Aufbau eines SIMM-Modules

So wird ein DRAM-Chip in ein SIMM-Modul gesteckt.



 

Das SIMM-Modul (Single In-Line Memory Module) ist ein häufig verwendetes Speicherprodukt. Die Abbildung zeigt, daß ein typisches SIMM-Modul aus einer Reihe von DRAM-Chips auf einer kleinen Schaltkreisplatine (Printed Circuit Board oder PCB) besteht, die in einen SIMM-Sockel auf der Systemplatine des Computers eingesteckt wird (mehr dazu später).

SIMMs gibt es in zahlreichen Größen (einschließlich Typen mit 30 und 72 Stiften). Eine Beschreibung dieser und anderer Speicherprodukte finden Sie im Abschnitt "Bit und Byte".



 

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